István Bodóczky

(Műértő, Tárlatvezető, S. 6, Oktober 2004)

Erinnerung, Foto, Anblick

Réka Nemeres Bilder, die in der Ausstellung Nyílászáró(k) – tájegység (Wörtlich Öffnungsschließer – Landschaftseinheit, wobei Nyílászárók (Öffnungsschließer) im Ungarischen eine neuere Bezeichnung für Fenster und Türen ist, die vorwiegend in der Bauindustrie verwendet wird. (Anm. d. Ü.) zu sehen sind, können als postkonzeptuelle Leinwände verstanden werden. Für den Betrachter besteht kein Zweifel: heutzutage kann man Bilder nicht mehr so malen wie dazumal. In Hinsicht auf frühere Arbeiten ist Réka Nemere als Landschaftsmalerin apostrophiert worden, und auch diese Ausstellung könnte einen Anlass dazu bieten. Nur tauchen hier mehrere Momente auf, die eine solche Festlegung revidieren könnten: Es besteht ein starker Kontrast zwischen dem lockeren, malerischen Wirrwarr des Laubwerks, welches auf der einen Hälfte der Bilder auftaucht, und der sachgemäßen, geometrischen Rationalität der Fenster; wobei dieser Kontrast wohl eher Mittel ist, um ein gewisses Gleichgewicht zu schaffen, und weniger Ausdruck eines Gefühlszustandes oder irgendwelche formalistische „Spannungserzeugung“. Schon im Ausstellungstitel meidet sie vorsichtig die inhaltlich vorbelasteten Wörter Fenster und Landschaft, und ebenso meidet sie eine detaillierte Wiedergabe des ihr so vertrauten Anblicks. Ihre Arbeitsmethode – sie verarbeitetet lieber die Erinnerung und Fotos als den direkten Anblick, der ständigen Zufälligkeiten ausgesetzt ist – hilft ihr, Distanz zu wahren und herauszukristallisieren. Außerdem tappt sie auch nicht in die Falle der Stilisierung. Bezeichnend für ihre Arbeiten ist die großzügige, stark reduzierte Darstellung, die zugleich als Hinterfragung früherer Klischees betrachtet werden kann. Elegant, mühelos und bewusst entwickelt sie ihre neuste Serie, und durchforscht sie die Möglichkeiten, die sich in den aufgeworfenen Problemen verbergen. Während sie mit kühler Sachlichkeit ihre Umgebung „mit neuen Augen“ untersucht, schafft sie ein Gleichgewicht zwischen Drinnen und Draußen, zwischen der Abstraktion und der Darstellung. (Dovin Galéria, bis zum 2. November.)